Presse

Heimische Metzgereibetriebe nehmen Vorreiterrolle ein

Butzbach, 20.03.2009 (br) – Seit dem 1. Januar 2006 gelten in Europa neue Hygienevorschriften in der lebensmittelverarbeitenden Industrie. Davon besonders betroffen sind Metzgereibetriebe, die bis zum 1.1.2010 eine EU-Zulassung benötigen, wenn sie weiterhin Tiere zur frischen Zubereitung ihrer Fleisch- und Wurstwaren schlachten wollen.

Somit müssen sich alle Metzgereien um die Umsetzung der europaweit einheitlichen Anforderungen aus Brüsselkümmern, beispielsweise in puncto Arbeits- und Personalhygiene. Wie der Obermeister der Fleischerinnung des Wetteraukreises, Holger Buß, mitteilte, haben derzeit von 390 Betrieben in Südhessen 42 ihre EU-Zulassung bekommen, allein 19 Betriebe davon aus dem Wetteraukreis (65 zulassungspflichtige Betriebe). „Prozentual gesehen nimmt der Wetteraukreis somit derzeit eine Vorreiterrolle in Hessen, wenn nicht sogar in ganz Deutschland ein“, betonte Buß bei seinem Zwischenfazit Mitte März 2009.

Der besondere Dank des Obermeisters gilt der guten Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz Friedberg. Amtsleiter Dr. Rudolf Müller, der Sachgebietsleiterin der Fleischhygieneüberwachung Dr. Veronika Ibrahim und den Lebensmittelkontrolleuren Matthias Hermann und Dirk Stamm obliegt die Aufgabe, die Betriebe beratend auf die EU-Zulassung vorzubereiten. Sie unternehmen Erstbegehungen der Betriebe, beraten über notwendige Umstrukturierungen und überprüfen die Anträge auf fehlende Unterlagen. „Der Einsatz der Mitarbeiter des Veterinäramtes Friedberg ist in jeder Hinsicht vorbildlich“, so Buß. Dabei sei dies gar nicht so einfach, denn obwohl seit 2006 bekannt gewesen sei, dass diese Zulassung erforderlich werde, so habe noch lange Zeit keine „Checkliste“ der Regierungspräsidien, die für die Erteilung der Zulassung verantwortlich seien, vorgelegen.„ Erst 2008 haben die Betriebe erfahren, was konkret von ihnen verlangt wird.“

Die eigentliche Zertifizierung eines Betriebes wird nach Prüfung aller eingereichten Unterlagen von einer Kommission des jeweiligen Regierungspräsidiums übernommen. Im Falle der fünf heimischen Betriebe Metzgerei Manfred Binzer (Kirch-Göns), Metzgerei Holger Buß (Gambach), Metzgerei Marco Kopf (Griedel), Metzgerei und Gaststätte Sommerlad, Inhaber Hanni Nicol (Butzbach) und Metzgerei August Wolf (Rockenberg) reisten Fachleute des RP Darmstadt an und bestätigten bei einem Vor-Ort-Termin allen genannten Betrieben eine zeitgemäße bauliche Ausstattung und moderne Hygienestandards nach den Richtlinien der Europäischen  Gemeinschaft. Alle Betriebe erhielten die EU-Zertifizierung ohne Beanstandung.

Ein weiterer wichtiger Teil der EU-Zulassung ist die Dokumentation, also die Aufzeichnung klar strukturierter Betriebsabläufe und Kontrollen, die der Fleischer im Rahmen seiner täglichen Arbeit an Hand eines speziellen Qualitätssicherungssystems durchführt. Dazu gehört neben umfassender Schulung der Mitarbeiter beispielsweise auch die systematische Kontrolle des Wareneingangs oder die Temperaturaufzeichnung in den Kühlräumen. Buß: „Wir führen genau Buch über Reinigungsmaßnahmen, die Benutzung von Hygieneschleusen, Schädlingsbekämpfung und die Beseitigung aller betrieblichen Abfälle.“ Somit ist eine Nachvollziehbarkeit aller Arbeitsabläufe in der zertifizierten Fleischerei sichergestellt.

Für den Verbraucher untermauert all dies das Vertrauen in die Qualität der heimischen Metzgereien. Schon in den Zeiten der BSE-Krise war man peinlich genau darauf bedacht, die Transparenz der Fleisch- und Wurstprodukte von der Geburt eines Tieres über die Haltung bis hin zu Schlachtung und Verarbeitung zu gewährleisten. Es wurde und wird Wert gelegt auf kurze, schonende Tiertransporte und auf die Verwendung von Tieren heimischer Landwirte. Somit können die Verbraucher, die im Fachbetrieb einkaufen, sicher sein, nur beste Fleischqualität zu erhalten, nach dem Motto „Aus der Region – für die Region“ werden regionale Erzeuger bevorzugt. Die EU-Zertifizierung ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Bleibt zu hoffen, dass schon bald viele weitere Betriebe im Wetteraukreis, in Hessen und darüber hinaus dem vorbildlichen Status der heimischen Metzgereien in die EU-Zertifizierung folgen werden.


« zurück